Interview: Einmal um die Welt, bitte

ein Foto von fabsn

Hallo Welt. Fabsn geht auf Reisen.

Unser Fotograf fabsn tourt zur Zeit als Design Journeyman durch die Weltgeschichte. Was das bedeutet und was er schon so alles erlebt hat, erzählt er uns im Interview. Dokumentiert hat er seine Abenteuer auf seinem Blog, den wir hiermit wärmstens empfehlen möchten.

Fabsn, erzähl uns kurz was Du Dir selbst. Woher kommst Du und was hast Du bisher so getrieben?

Ich stamme aus der Rhein-Main Region nahe Frankfurt am Main. Nach der Schule bin ich nach Wiesbaden abgewandert, um dort die Schule für Textiltechnik und Bekleidung zu absolvieren. Und obwohl die Modewelt mich nicht ausreichend in ihren Bann ziehen konnte, war dies doch die Zeitspanne, in der es zwischen mir und Design gefunkt hat. Nach meinem Abschluss habe ich mich für den Studiengang Innenarchitektur entschieden. Und nach 5 Jahren hohen Blut- und Schweißverlustes kann ich sagen, auch die Innenarchitektur hat es mir nicht hundertprozentig angetan. Aber all das, was mit diesem Studium einherging, habe ich geliebt. Vor allem die Tatsache, dass ich alles ausprobieren konnte und so über die Semester hinweg immer mehr in das Grafikgenre gerutscht bin. Auch meine ersten fotografischen Gehversuche habe ich in der Dunkelkammer der Hochschule gemacht. Generell kann man sagen, dass ich mich über die Jahre hinweg selbst zum Generalisten ausgebildet habe. Zumindest eine Tatsache die es leichter macht, Jobs auf meiner Reise zu finden.

Du bist zur Zeit als “Design Journeyman” unterwegs. Was ist das eigentlich und wie bist Du auf die Idee gekommen?

Der Begriff Design Journeyman entstand im Laufe der Entwicklung dieses Projekts. Man kann es auch Gestalter-Walz nennen, aber da ich mich in internationalen Gefilden bewege, entschied ich mich für die englische Variante. Im Grunde baut das Ganze auf der alten Tradition des Wandergesellen auf. Tischler, Zimmermann – Zunftangehörige eben, die nach ihrer Ausbildung auf die Walz gingen, um bei Meistern ihrer Zunft für Kost und Logis zu arbeiten. Während dieser Zeit wohnten jene Wanderburschen zusammen mit der Familie des Meisters bis es an der Zeit war, weiterzuziehen. Man sieht ja heute noch vereinzelt die Jungs und Mädels mit grossen schwarzen Schlapphüten und einem riesigen Schlag in der schwarzen Cordhose. Und bis auf diese Bekleidung habe ich versucht, die Regeln der traditionellen Walz auf mein Design Journeyman Projekt zu übertragen.

Wo warst Du schon überall und was hast Du dort so gemacht? Stand die Reiseroute von vornherein fest oder lässt Du Dich treiben?

Die Reiseroute stand nicht fest. Fest stand nur der Startpunkt, Shanghai. Ich hatte die Möglichkeit bei David Chipperfield Architects für drei Monate als Architekt unterzukommen und setzte dies als östlichen Startpunkt fest, um dann gen Westen zu ziehen. Die Reiseroute, wie sie bisher verlaufen ist, hing größtenteils ab von Zufällen, aber auch von z.B. Flugkosten oder Bekanntschaften, bei denen ich umsonst unterkommen konnte.

Ich wusste, dass ich Station in Indien machen wollte im Laufe meiner Reise, auch um dort mit meiner Freundin für ein paar Wochen mit Rucksack durch die westliche Himalayaregion zu touren. Also schaute ich nach günstigen Flügen und fand letztendlich die beste Verbindung über Malaysia. So fing ich an in Kuala Lumpur nach Grafikdesign Agenturen zu suchen, was sich als recht schwierig gestaltete. Ich schrieb ein paar Firmen an, bekam aber keine Rückmeldung, kontaktierte daraufhin Designstudenten, um Firmennamen zu erhalten. Einer dieser Studenten erzählte mir von der Design Week, die stattfinden sollte während meines Aufenthaltes dort. Eine Email zu den Verantwortlichen und etwas später hatte ich dann tatsächlich meinen zweiten Job in der Tasche – als International Ambassador bei der Kuala Lumpur Design Week.

Indien funktionierte über hunderte Ecken von Kontakten, die ich aus meiner Erinnerung gekramt hatte und lief im Endeffekt fast zu perfekt. Ein grandioses Team mit einem interessanten Projekt sollte mich dort erwarten. Auch meine Zeit in Ägypten war ein leichtes Fressen. Da ein alter Bekannter in einer Yachtenbaufirma in Alexandria arbeitet, hatte ich Job, Logis und Kost auf einen Schlag an Land gezogen. Wobei es doch ein paar Tage gedauert hat, sich von ersten Yoga Unterrichtsstunden auf einer Dachterasse in Südindien auf Hemd mit Kragen und ein klimatisiertes Büro umzustellen.

Welche Länder stehen noch auf Deiner Reisroute?

Derzeit bin ich für eine dreiwöchige Unterbrechung in Dänemark, um die ersten 9 Monate der Reise in Text und Bild ein wenig aufzuarbeiten. Mein Ticket nach Äthiopien schreit mich allerdings täglich an, es würde gerne benutzt werden. Bis Weihnachten also Äthiopien mit einem möglichen Zwischenaufenthalt im Sudan für ein Filmprojekt. Demnach bin ich noch auf der Suche nach einer Tätigkeit in Äthiopien und mein favorisierter Job wäre diesmal eine Fotografenassistenz. Ich fantasiere mich derzeit mit einem Aufheller zwischen einheimschen Völkern, während ich versuche herauszubekommen, wie der Profi mit seiner Kamera diese wahnsinnigen Bildgewalten zaubert. Solche Fantasien tun gut, auch wenn es meist ganz anders und noch viel besser kommt.

Ab Januar 2011 suche ich mir dann ein Projekt in Kopenhagen, um auch Europa in meine Walz miteinzubeziehen. Wenn sich danach mein Bankkonto nicht allzusehr beschwert, ziehe ich weiter in Richtung Amerikanische Kontinente. Aber um auch auf das Budget zu sprechen zu kommen: Mit Anschaffungen wie einer neuen Kamera außen vor bin ich fast auf Null raus. Und wenn ich erzähle, mit welch minimalem finanziellen Hintergrund ich gestartet bin, würden das wahrscheinlich einige als etwas übertrieben Tollkühn bezeichnen. Ich habe noch eine Kopie eines Kontoauszugs aus dieser Zeit. Die werde ich dann aber erst nach meiner Reise veröffentlichen – wenn alles glatt gelaufen ist.

Auf Deinem Blog forderst Du die Leute auf, sich bei Dir zu melden, wenn Sie einen Job oder einen Vorschlag für ein neues Reiseland haben. Kannst Du darüber kurz etwas erzählen? Wie ist denn da so das Feedback? Hast Du viele Jobangebote oder Vorschläge bekommen?

Es sind meist Freunde oder Bekannte, die mich auf Jobs aufmerksam machen. Anfragen für Jobs über meinen Blog gibt es relativ wenige. Wenn es Anfragen gibt, dann meist in Gesprächen mit Leuten aus den Ländern, in denen ich mich gerade befinde. Das beste Angebot kam jedoch tatsächlich über das Web. Die Lucas Film Studios in Singapur klopften vor ein paar Wochen an, allerdings war ich da schon in Ägypten. In solchen Fällen muss man dann schon abwägen, ob es Sinn macht, nochmal den ganzen Weg nach Südostasien zurücklegen. Ich habe mich letztendlich aus Kostengründen dagegen entschieden.

Du dokumentierst Deine Reise fotografisch auf Deinem Blog. Welche Kamera oder welche Kameras nutzt Du? Analog oder digital?

In die Fotografie eingestiegen bin ich damals mit einer alten analogen Spiegelreflexkamera, die mich auch heute noch immer wieder mit hervorragenden Bildern verzückt. Eine Pentax Asahi Spotmatic mit einem 35mm und einem 50mm Objektiv, sowie zahlreichen Teleconvertern und Zwischenringen. Seit ein paar Wochen bin ich stolzer Besitzer einer Canon eos 7d und habe meinen Spaß mit zwei Zoomobjektiven sowie (in ein paar Tagen) mit einer 50mm Festbrennweite. Alle meine digitalen Werke vor dieser Zeit sind mit einer eos 400d entstanden. Eine kleine HD Videokamera begleitet mich, allerdings ist diese seit dem Kauf der 7d mehr Ballast als mir von Nutzen (HD Videokamera von Panasonic, Anyone?). Als Schmankerl trage ich immer eine alte Sucherkamera mit mir herum. Ein Werbegeschenk mit einem defekten Blitz, der bei jeder Lichtsituation voll Stoff gibt und so Bilder mit ganz eigenem Charme produziert. Wenn ich hin und wieder günstige Einwegkameras finde, wird es schwer, mich zurückzuhalten.

Zu guter letzt gibt es noch eine Pinhole Kamera, die ich mir in Shanghai aus mit Propagandakunst bedruckten Streichholzschachteln gebastelt habe, um damit die Expo zu fotografieren. Die kam seitdem allerdings nicht mehr zum Einsatz.

Hier noch ein paar Eindrück von fabsns Reisen.

Das Foto entstand in Shanghai auf meinem eineinhalbstündigen Rückweg vom Büro zum Haus meiner Vermieterin in dem vorstädtischen Bezirk Minhang, wo Sie mir freundlicherweise für 5 Wochen Unterkunft gewährte. Mein eigentliches Zimmer war durch ein ein sprachlich bedingtes Verständigungsproblem noch belegt.

fabsn / photocase.com

Eigentlich nur als Zwischenstation geplant, wurde die Zeit in Malaysia zu einem der bisherigen Highlights meiner Journeyman Reise. Das Foto entstand bei der Eröffnungsfeier des Young Malaysian Designers Event im Herzen Kuala Lumpurs.

LANGEWEILE FOTOGRAFIERT SICH ein Foto von fabsn

In Ägypten erlebte und durchlebte ich die Zeit des Ramadan mit all seinen Vor- und Nachteilen für einen Europäer in einem islamgeprägten Land. Was am Anfang noch als angenehme Ruhe bezeichnet wurde, entwickelte sich gegen Ende, nachdem mein Mitbewohner das Land für eine Yachtmesse verlassen musste, zum Eremitentum. Das Büro schloss seine Pforten für zwei Wochen und somit arbeitete ich von zu Hause. Verlassene Straßen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang und wenn doch vereinzelt Personen auftauchten waren sie der englischen und ich wie gehabt der arabischen Sprache nicht mächtig. Das Foto entstand, wie es der Titel verrät, auf einem der Höhepunkte des Alleinseins.

Interview: an.ne
Fotos: fabsn

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