5 Berlin-Fotos von damals und heute

Berlin ist die Stadt, die wir unser zu Hause nennen. Hier haben wir seit mehreren Jahren unser Hauptquartier, zunächst in Friedrichshain (ganz in der Nähe der Oberbaumbrücke und der East Side Gallery) und jetzt seit über 3 Jahren in Mitte. Wie geschichtsträchtig die Stadt ist, ist eigentlich ständig an allen Ecken zu spüren. Besonders jetzt, im 25. Jubiläumsjahr des Falls der Berliner Mauer. Berlin hat in den letzten Jahren eine unglaublich rasante Entwicklung durch gemacht und so ist es heute kaum noch vorstellbar, dass die Stadt über 40 Jahre lang geteilt war. Als unsere Fotografin suschaa von ein paar Wochen eine Reihe alter Berlin-Fotos ihres Vaters bei uns veröffentlichte, waren wir sofort begeistert von diesen historischen Zeitdokumenten. Die Fotos wurden in den 70ern oder frühen 80ern in Westberlin aufgenommen. Bei der zeitlichen und räumlichen Einordnung der Fotos konnte uns glücklicherweise unser Berliner Fotograf zettberlin helfen. Auf den Spuren von suschaas Vater wandelnd, ist er außerdem losgezogen, um die aktuellen Ansichten der Fotos von damals für uns einzufangen. Wir freuen uns riesig, die historischen Fotos von suschaas Vater und die zeitgenössischen Aufnahmen von zettberlin hier im Blog zeigen zu dürfen. Herzlichen Dank an euch beide, suschaa & zettberlin!

Suschaa hat für uns auch die persönliche Geschichte hinter den Berlin-Fotos ihres Vaters aufgeschrieben. Gleich hier im Beitrag unter den Fotos erfahrt ihr mehr.

Bereit für eine kleine Zeitreise? Los geht’s!

5 Berlin Ansichten von gestern und heute

Das Abgeordnetenhaus (ehemals Landtag)

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Das Abgeordnetenhaus von Berlin. Links der Gropius-Bau, in der Mitte die Berliner Mauer.

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Heute befindet sich neben dem Martin-Gropius-Bau die Dauerausstellung “Topografie des Terrors

Der Gropuis-Bau

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Der Gropiusbau, von der Seite aufgenommen. Der Wiederaufbau begann 1978 unter der Leitung von Ute Weström. Das Foto muss also vor 1978 aufgenommen worden sein.

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Die heutige Ansicht des Gropius-Baus. Im Vordergrund die Ausstellungsfläche “Topografie des Terrors”

Das Brandenburger Tor

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Das Brandenburger Tor mit damals noch “gemauerter” Mauer, die später durch die charakteristischen Betonsegmente ersetzt wurden.

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Das Brandenburger Tor heute

Das Sowjetische Ehrenmal an der Straße des 17. Juni

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Das Sowjetische Ehrenmal im Tiergarten wurde 1945 errichtet und lag auf dem Territorium des britischen Sektors von Berlin. Der Viermächtestatus Berlins erlaubte jedoch die Bewachung durch sowjetische Soldaten.

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So zeigt sich das sowjetische Ehrenmal dem Besucher heute.

Die Kreuzung Bernburger Str. / Köthener Str. (nahe Potsdamer Platz)

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Das ganze Gelände um den Potsdamer Platz war quasi tot, es stand dort nur ein einziges intaktes Haus, das Weinhaus Huth. Rechts ist der ehemalige Kammermusiksaal in Berlin-Mitte (Meistersaal) zu sehen, die späteren Hansa-Tonstudios.

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Erst nach der Maueröffnung wurde dort der Potsdamer Platz ganz und gar neu aufgebaut.

Hier die 5 Aufnahmeorte auf einer Google Maps Karte.

Die Geschichte hinter den Berlin-Fotos von damals von suschaa

Als Photocase mich anschrieb und fragte, ob ich nicht Lust hätte einen Blogpost zu den alten Berlin-Dias meines verstorbenen Vaters zu schreiben war ich zuerst sehr skeptisch, weil es kaum Informationen dazu gibt. Aber natürlich gibt es eine persönliche Geschichte drumrum und die würde ich gerne mit euch teilen – vorausgesetzt ihr seid geduldige Leser und könnt auch den kleinen Banalitäten des Lebens etwas abgewinnen – ganz so wie bei meinen Fotos.

Dass ich diese Dias überhaupt wieder entdeckte, habe ich dem Umstand zu verdanken, dass meine letzte Schrottkiste endgültig den Geist aufgegeben hat. Ich karrte die Dias schon seit 2012 durch die Gegend. In meiner kleinen 44 m² Bude war kein Platz mehr und ich war wohl immer auf Suche gewesen, zufällig mal irgendwo zu landen, wo ich sie mir mal richtig hätte anschauen können. Aber wer hat heutzutage schon noch einen Diaprojektor? Und nachdem sich dann im Sommer halbaufgeblasene Luftmatratzen darüber lagerten, die ich dann auch lange nicht entfernt habe, hab ich sie wohl irgendwie vergessen. Als ich sie nun quasi wiederentdeckte, war ich echt ganz schön aus dem Häuschen und furchtbar gespannt, was wohl drauf zu sehen sein könnte.

Diskusionsstoff in der Familie löste allerdings die Frage aus, ob und warum mein Vater überhaupt hätte Dias anfertigen lassen sollen. In einem Punkt sind meine Geschwister, meine Mutter und ich uns einig: In unserer Familie hat es nie einen Diaprojektor gegeben, geschweige denn Dia-Abende, die ja zu meiner Kindheit sehr beliebt waren. Kennt ihr eigentlich diese kleinen viereckigen Kästchen, die so aussehen wie ein Minifernseherdings, wo man oben das Dia reinsteckt? Genau so ein Teil besorgte ich mir kürzlich auf ebay damit ich mir sie nun endlich mal ansehen konnte. Nachdem ich die ersten Fotos gesichtet hatte (und natürlich waren es alte Urlaubsfotos) kamen Erinnerungen an Urlaube hoch, an denen ich nicht habe teilnehmen dürfen. So erinnert sich meine Mutter beispielsweise nur noch an Fotos, die sie nicht hat machen wollen. Z.B. als meine Eltern im Griechenlandurlaub (von dem ich übrigens auch ein paar auf Photocase habe) eine handfeste Ehekrise zu überstehen hatten – der Grund: Mein Vater ist in der Ägäis in einen Seeigel getreten, in dessen folge sein Kopf so groß wie ein Kürbis anschwoll und meine Mutter sich weigerte, mit ihm das Hotelzimmer zu verlassen. Nicht mal ein schönes Erinnerungsfoto wollte sie davon machen. Sehr zum Bedauern meines Vaters und natürlich auch uns – den Kindern, die wir doch gerne den Vater mal mit Melonenkopf gesehen hätten.

Was mich anbelangt, kann ich mich sehr gut an all die kleinen Ausflüge und Reisen meiner Eltern erinnern, zu denen ich nie mitgenommen wurde. So auch der Trip nach Berlin, den mein Vater mit meiner Schwester unternommen hatte. Das muss so in den 70ern oder frühen 80ern gewesen sein, da war ich noch Kind. Das deckt sich übrigens ganz gut mit der Einschätzung zettberlins, der mir schon einige Informationen zu den Fotos zur Verfügung gestellt hat. Meine Mutter erzählte mir vorhin am Telefon, dass mein Vater die Grüne Woche in Berlin besuchte und an ihrer statt meine Schwester mitnahm, weil meine Mutter Zahnschmerzen hatte. Für meine Schwester stellte das wohl das kleinere Übel dar. Zu Hause hätte sie ja sonst auf mich aufpassen müssen.

Eine Sache steht fest: Dieser Diafund stellt für mich das schönste Vermächtnis dar, das mein Vater mir hätte machen können. Es ist etwas sehr persönliches und mehr als je zuvor erkenne ich in seinen Fotos seinen weltoffenen und an allem interessierten Geist, den man ihm als kleinen Landwirten gar nicht zugetraut hätte. Einer der mit Postministern per du ist und mit Bundestagsabgeordneten am Feierabend einen heben geht. Einer, der nie die Klappe gehalten hat, wenn andere sich schon lange nichts mehr zu sagen getraut haben. Und manchmal tat er das gleiche mit der Kamera. Ich bin gespannt welche “Schätze” ich in den alten Negativen noch heben kann … to be continued .. eventually.

Fotos Berlin damals: suschaa
Fotos Berlin heute: zettberlin

5 Kommentare Schreib einen Kommentar

  1. Schöne Sache das , da fällt mir ein das mein Vater auch kistenweise Dias hinterlassen hat…
    Weiß jemand was es mit dem Typ auf dem sowjetischen Ehrendenkmal auf sich hat, das sieht so aus als hätte er sich im Lauf der Jahre gedreht ?

  2. Toll!
    Klasse, dass zett sich die Mühe gemacht hat, die Orte nachzufotografieren.
    Und interessant, dass es keinen Diaprojektor bei euch gab.

    Ich bin gespannt auf weitere Schätze.

  3. also das war ja jetzt hochinteressant, die vergleichsbilder und die persönlich geschichte!
    zu schade, dass ich die blogposts nie aktuell mitbekomme…

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