Fotografen erzählen etwas über ihre Fotos: Zwei “Hidden Tracks” von time. und particula

Für unsere Rubrik “Fotografen erzählen etwas über ihre Fotos” fragen wir jeden Monat Fotografen nach der Geschichte hinter einem bestimmten Foto. In diesem Monat haben wir die Ausstellung “Hidden Tracks” von time. und particula (haben hier im Blog schon darüber berichtet) zum Anlass genommen, um die beiden zu fragen, ob sie uns etwas mehr zu einem Foto erzählen können, das ihnen besonders am Herzen liegt. Die beiden haben nicht lange gefackelt und so könnt ihr hier die Entstehungsgeschichte von “Subway The Hard Way” und “The stars within us” nachlesen.

The stars within us. Ein Foto von particula

The stars within us. Ein Foto von particula

Was für ein Urlaub. Und wie haben wir uns gefreut darauf. Ein paar Tage ausspannen auf der deutschen Insel schlechthin, Sylt! Im Gepäck natürlich die Kamera, Stativ und ein Blitzgerät. Angekommen und die Sachen ausgepackt, haben wir uns spät noch in die Dunkelheit aufgemacht Richtung Strand – was nicht unbedingt nach einer guten Idee klingt. Dazu nieselte es auch noch. Naja, was solls, das Meer ist da, das reichte uns erstmal.

Unser Ziel vor Augen mussten wir feststellen, dass es außer Strandkörben und Getränkeautomaten nicht besonders viel gab, was im Dunkeln fotografierbar war. Stattdessen habe ich mein Blitzgerät ausgepackt und wir fingen an herumzuexperimentieren. Das Ergebnis war verblüffend und berauschend. Dieses Bild – mit Frollein S. als Protagonistin – entstand bei Nieselregen, einer Belichtungszeit von 20s und unter Einsatz des Stroboskopblitzes. Was aussieht wie Sterne ist der Nieselregen, multipliziert mit jedem Blitz und langzeitbelichtet.

Das alles war so spannend, dass wir uns am nächsten Tag noch einmal frühzeitig auf den Weg machten – und statt Regen hatten wir eine tolle Mittsommernacht. Wiederholt blitzten wir, was die Batterien hergaben und staunten immer wieder. In dieser Nacht entstand auch das Titelbild unseres “Hidden Tracks”-Buches.

Subway The Hard Way. Ein Foto von time.

Subway The Hard Way. Ein Foto von time.

Ich bog beschwingt um die Ecke, wie es 16jährige oft tun, wenn sie zum ersten Mal die Weltstadt eines fremden Landes erkunden – neugierig, aufgekratzt, erlebenshungrig. Ein toller Tag war es schon gewesen, nun hatte ich Hunger.

Vollbremsung. Vor mir war da plötzlich dieser alte Mann, eingepackt in einen dicken Mantel, mitten im Hochsommer, mühsam einen Schritt vor den anderen setzend, seinen Weg hinauf suchend.

Oben tobte das Leben, hier unten war es gedämpft, fast still. Die Zeit hielt an, so wie sie das in den Spielfilmen, den besseren, immer hinkriegen. Ich sah das warme Licht auf dem kühlen Beton und dachte an den Großvater, den ich nie hatte. Ich wollte ein Bild von ihm, ein Bild von diesem Augenblick, ein Großvater für die Erinnerung. Nichts war in diesem Moment gegensätzlicher als alles zwischen mir und dem alten Mann. Aber ich hatte gerade mein ganzes Leben gesehen.

Dann kam der Lärm von oben zurück und ich ging an ihm vorbei. Ich sah mich nicht um. Ich wollte nicht enttäuscht werden.

Das Foto ist als Dia in einer Kodak Retina II entstanden, 1975 in London. Hier bei Photocase ist ein Teil des Scans zu sehen. In der Ausstellung gibt es das ganze Bild, auf dem mein Großvater noch beschwerter erscheint.

Neben den Fotos, die derzeit in der “Hidden Tracks” Ausstellung in der Kaffeebar Rossi in Hannover zu sehen sind, gibt es noch mehr zu sehen. Die Arbeit an der Ausstellung hat den beiden so viel Spaß gemacht, dass auch eine Website und ein Buch (hier der Link zur PDF-Version, ca. 2MB) dabei herausgekommen sind, wo es noch mehr Fotos, noch mehr “Musik auf die Augen” gibt. Auf die Frage “Warum eigentlich Musik für die Augen?” antworten die beiden: “Wir verbinden mit unseren Bildern bestimmte Sounds oder Musiktracks, wie auch umgekehrt beim Hören von Musik oft Bilder vor dem inneren Auge entstehen. Für uns sind das die »hidden tracks«, jene Sounds, die irgendwo in einem versteckt sind und wieder hervorkommen können, wenn man von einem Bild angeregt wird – so oder so.”

Der Photocase Kulturbeauftragte empfiehlt: Hingehen & anschauen. Die Ausstellung im Rossi läuft noch bis 2. Juni 2012. Mehr Infos gibt’s hier.

Danke an unsere visuellen Discjockeys particula und time.!

12 Kommentare Schreib einen Kommentar

  1. Glückwunsch an time und particula zu diesem tollen Projekt.
    Welch rührende Geschichte zu deinem Bild time !

  2. WOW….beeindruckende Bilder! Ein tolles Projekt!
    Glückwunsch euch beiden!

  3. Danke für den Link zum Buch, leider is Hannover noch nich nähergerückt. Sind faszinierende Fotos und interessante Geschichten.
    Kann mann das Buch im Handel kaufen?

  4. ganz, ganz toll..habe mir das Buch angeschaut, eure Bilder zusammen sind echt der Hammer! bin leider nicht in der Nähe, sonst hätt ich mir die gerne in “echt” angeschaut…Viel Erfolg für euch!!!

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