Fotografen erzählen etwas über ihre Fotos: “Junge am Bett” von Wanda Depperschmidt

Wanda Depperschmidt ist seit Mai 2010 bei Photocase dabei und hat seit Anfang des Jahres immer wieder Fotos bei uns veröffentlicht, die uns regelmäßig die Schuhe ausgezogen haben (bei Prokop sogar im wörtlichen Sinne, aber das ist eine andere Geschichte). Also war es höchste Zeit, sie zu fragen, ob sie uns zu einem ihrer Fotos etwas mehr erzählt und so gibt es heute für euch die Geschichte hinter Wanda’s Foto “Junge am Bett”.

"Junge am Bett" ein Foto von Wanda Depperschmidt

Ein Foto von Wanda Depperschmidt

Man könnte es auch „Ruhe vor dem Sturm“ nennen. Ich möchte damit anfangen, was das doch für ein schönes Gefühl ist, wenn man an einem Ort ankommt und alles scheint perfekt zu sein: das Licht, das Motiv, die Farbe. Du brauchst nur eine Kamera dabei zu haben, um diesen Moment festzuhalten.

Auf dem Foto ist mein Sohn zu sehen und im Hintergrund liegt sein Onkel. Meine Kinder haben ihm den Spitznamen „BÖSER“ gegeben. Er ist sehr lustig und spielt immer mit ihnen, wenn wir bei Oma und Opa zu Besuch sind. Dann wird das Haus vom Erdgeschoss bis zum Dachboden auf den Kopf gestellt. Besonders der Dachboden mit dem spärlich dosiertem Licht hat es mir im unfertigen, scheinbar chaotischem und buntem Zustand angetan. Jetzt ist es tapeziert, die bunten Teppiche sind verschwunden und der Charme einer „Baustelle“ ist verloren gegangen.

In dem Augenblick auf dem Foto gibt es eine Auszeit, Siesta. Alle sind ein wenig müde geworden. Aber schon bald wird wieder gespielt!

Das Foto wurde mit einer Sony alpha-700 und dem Kit-Objektiv aufgenommen. Außer Kontrast und etwas Nachschärfen musste daran nichts geändert werden. Das ist die Art von Fotos, die mich besonders freuen, wenn sie gelingen. Ungezwungenes und spontanes Zusammenfallen von vielen entscheidenden Kleinigkeiten.

Danke, Wanda! Hier geht’s zu ihrem Userprofil.

9 Kommentare Schreib einen Kommentar

  1. im kleinen war es mir irgendwie zu duster.
    hier in der etwas größeren darstellung schälen sich aus dem schatten noch mehr details.
    das licht und das gesicht deines sohnes lässt mich an die bilder von helnwein denken.

  2. sehr interessante herangehensweise.
    aber warum heisst der onkel denn nu BÖSER? :shock:

  3. Tolle Szene, schöner “Hintergrundbericht”.

    Besonders interessant finde ich, dass die “wahren Umstände” ganz anders sind als die Geschichte, die das Bild suggeriert.
    Wie dem auch sei: Schick isst!

  4. Ja, :)) er nennt sich auch gerne so und dann bringt er alle zum lachen, macht “böses” Gesicht und jagt Kinder durch das Haus….Er ist ganz lieb eigentlich

  5. schöne geschichte, die SO zu dem bild bei mir nicht entstanden wäre.
    dafür andere. das mag ich.

  6. also ich trau mich gar nicht so recht das jetzt zu schreiben…..weil meine persönlichen Assoziationen sich sehr von Deiner doch sehr fröhlichen Hintergrundgeschichte unterscheiden und ich mich frage, ob Du diese Art von Sichtweise denn so wünschenswert findest….hmmmm….mich bedrückt die Szene sehr ….und ” Böser Onkel” ist auch ein Titel der sehr zweideutig sein könnte……ob Dir das wohl so klar war?

  7. @unschuldslamm: Es kommt oft vor, dass Zuschauer in den Bildern etwas anderes sehen als der Autor bzw. die Autorin. Es ist auch klar, dass in Deutschland “Böser Onkel” mehr als eine Bedeutung haben kann. So ist der Spitzname aber nicht und auch niemand hat ihn so bezeichnet. Einfach nur “Böser”… Die Geschichte ist, wie sie ist… Nicht gestellt, ganz harmlos.

  8. ….oh, wie mir scheint, hab ich mich missverständlich ausgedrückt, das tut mir leid…..und stimmt niemand hat ihn so genannt…hab ich mir ja auch als passenden Titel überlegt ;) ….es lag doch irgendwie nahe: der Spitzname “Böser” und “Onkel”= ” Böser Onkel”, es passte eben sehr gut zu meinen Gedanken und Gefühlen, die Dein Foto in mir auslösten…in diesem Kontext hab ich beim Betrachten halt an unschönere Thematiken denken müssen…Generell finde ich es immer toll, wenn Bilder Geschichten erzählen und berühren auch wenn es vielleicht nicht immer die Friede, Freude, Eierkuchenversion ist….und das ist für mich das Spannende an Deinem Foto…es ist sehr, sehr ausdrucksstark und löst Kopfkino aus! Ich war einfach neugierig, wie Du dazu stehst, da es sich ja offensichtlich um ein sehr persönliches Foto mit Dir sehr nahestehenden Menschen handelt, dass Betrachter vielleicht eine düstere Landschaft malen. Die Geschichte ist wie sie ist….aber das Bild erzählt mir eine andere ;)

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